Verdienter Lob von "Ehemaligen", Lob vom Trainer: Aber wieder keine Punkte
  11.12.2019

Es gibt folgerichtige Niederlagen gegen stärkere Gegner.

Und dann gibt es die vermeidbaren. Das 1:3 (24:26, 25:23, 22:25, 17:25) des Volleyball-Internats Frankfurt in der Zweitliga-Partien gegen die Blue Volleys Gotha war eine solche. „Sie haben sich teuer verkauft“, meinte Gothas an der Schulter verletzte Diagonalspieler Erik Niederlücke, in der vergangenen Saison noch Topscorer im Frankfurter Internat-Team. Der für ihn auf dieser Position bei den Gästen spielende Robert Werner, der  seine Internatszeit in Frankfurt 2018 als  Kapitän  beendete, ging noch weiter: „Die haben zweieinhalb Sätze lang konstant stark gespielt. Aber ich habe es drei Jahre lang selbst miterlebt. Wenn es in die entscheidende Phase geht, fehlt die Routine. Da werden alle hektisch, kopflos. Das ist ärgerlich. Aber normal. Das ist halt ein Lernprozess, den jeder Nachwuchsspieler hinter sich bringen muss.“

Eines ist klar: Die Begegnung hätte 3:0 für Frankfurt enden müssen. Die Gastgeber waren das bessere Team, haben sich um den ersten Saisonsieg wieder einmal selbst gebracht. „Es ist zum Verzweifeln. Wir spielen um Klassen besser als vor drei Monaten, hatten den Gegner eigentlich drei Sätze lang im Griff. Aber wir kriegen es nicht hin, auch in den entscheidenden Situationen konstant zu bleiben“, resümierte Trainer Dominic von Känel.

Diesmal gab es in der Tat Vieles, was gut war. Positiv war die Kampfmoral im zweiten Satz, als aus einem 8:12-Rückstand ein 21:17 entstand und im verwandelten Satzball von Simon Torwie gipfelte. Überragend waren die Aufschläge, mit denen der Gegner oft vor große Probleme gestellt wurde. Hervorzuheben sind da Ben Bierwisch, Simon Torwie, und Joscha Kunstmann. Die Abwehr war stark, vor allem Libero Bodo Dobbertin holte noch einige „fast Unmögliche“. Mit Ausnahme des dritten Satzes war sehr gut der Block. Im Angriff überragten Simon Torwie, der obwohl nur eingewechselt, mit 14 Punkten bester Scorer der Partie wurde, Kjell Molzen und der leider zu selten eingesetzte Melf Urban. 

Am Ende waren es Kleinigkeiten, die zur Niederlage geführt hatten. Den ersten Satz, in dem die Gastgeber 23:20 führten und bei 24:23 durch einen verstellten Ball den Satzball vergaben, verspielte Steller Justus Lembach, der trotz einer zu diesem Zeitpunkt sehr sicheren Annahme zu stereotyp über die Position vier spielte. Die Mitte sowie das Hinterfeld wurden total vernachlässigt. „Ich habe großes Vertrauen zu unseren Außenangreifern, fand zudem, dass der 2,13 Meter große Felix Lesche in der Mitte stets bereit zum Block war“, begründete der 18-jährige Zuspieler seine Pässe.

Tatsache bleibt, dass ab dem Moment, als der wegen einer vorhergegangenen Erkrankung zunächst auf der Bank gebliebene Simon Torwie die angestammte Diagonalposition von Pascal Eichler übernahm, sich auch das Verhalten von Lembach geändert hat. Plötzlich klappte das Zuspiel. Es wurden viele Überkopfbälle gestellt und auch Melf Urban (8 Erfolge bei 13 Versuchen/62 Prozent) wurde nun in der Mitte öfters bedient. Hochs und Tiefs gab es auch auf der Außenposition. Ben Bierwisch, vom gegnerischen Trainer zum MVP gewählt, spielte bis auf einen kleinen Blackout Ende des dritten Satzes konstant. Aber bei den anderen klappte es nur mit jeweils einem Element. Aaron Neumann glänzte in der Annahme, blieb aber im Angriff weitgehend erfolglos. Umgekehrt Kjell Molzen, der in der Annahme Schwierigkeiten hatte, dafür aber 55 Prozent seiner Schmetterbälle auf den Boden brachte. Den Sieg aus der Hand gaben die Frankfurter im dritten Satz, in dem sie 7:3, 9:4, 12:8 und 20:18 führten. Mit fünf überflüssigen Eigenfehlern hat sich das junge Team aber um den Lohn für ihre Leistung gebracht.

Bevor die Spieler zu ihren Familien fahren können, um zweiwöchige Weihnachtsferien  daheim zu verbringen, müssen sie in diesem Jahr noch zweimal ran. Am Samstag gastieren sie beim Tabellenachten SV Schwaig, einen Tag später beim Vorletzten FT Freiburg. Mit der Leistung aus den ersten drei Sätzen, sofern sie konstant bleibt, könnte es zum ersten „Dreier“ der Saison reichen.